Vier von fünf Start-up-Unternehmen in Deutschland sehen in der aktuellen Krise ihre Existenz bedroht. Im Tourismussektor sind es sogar fast alle. Das ergab eine Umfrage des Start-up-Verbandes. Die Ergebnisse seien „schlimmer als befürchtet“, so Verbandspräsident Christian Miele.

 

Neun von zehn Startups in Deutschland sind negativ von den wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Krise betroffen, mehr als jedes siebte fürchtet sogar um die Existenz. Zu diesen Ergebnissen kommt eine Studie, die vom Bundesverband Deutsche Startups in Zusammenarbeit mit dem Hamburger Marktforschungsinstitut Curth+Roth Ende März veröffentlicht wurde. Befragt wurden mehr als 1000 Start-ups in Deutschland. Jeweils gut ein Fünftel der teilnehmenden Unternehmen kommt aus Bayern und Berlin, Niedersachsen ist mit knapp sechs Prozent der Antworten vertreten.

Ganz besonders sind Start-ups vor einer Finanzierungsrunde gefährdet

Die Probleme ziehen sich im Wesentlichen durch alle Branchen – Ausnahme: Bau – und durch alle Größen und Gründungsphasen. Besonders hart trifft es junge Unternehmen, die in den nächsten Monaten Geld brauchen: Knapp 90 Prozent der Start-ups, die vor einer Finanzierungsrunde in den nächsten ein bis drei Monaten stehen, sind gefährdet. Wenn eine weitere Finanzierung erst nach dem Sommer ansteht, entspannt sich die Lage etwas: Dann sind es 62 Prozent, die nach eigener Einschätzung in eine kritische Situation geraten könnten.

Während kleinere Startups durch den Wegfall von Messen und Veranstaltungen vom ausbleibenden Kundenkontakt bedroht sind, fürchten größere Startups mit vielen Beschäftigten vor allem um Umsätze, ihre Liquidität und das Zustandekommen künftiger Finanzierungsrunden.

Staatliche Hilfe willkommen – aber derzeit nicht für alle passend

Zwei Drittel der Start-ups wollen staatliche Hilfsangebote nutzen. Dabei erwarten sie vor allem schnelle Bearbeitung und Entscheidung sowie eine komplett digitale Abwicklung der Anträge. Mehr als die Hälfte erwarten flexible Rückzahlungsmöglichkeiten und eine niedrige, das heißt unter Marktniveau liegende Verzinsung.

Problem allerdings: Die Programme sind für viele Start-ups dann nicht nutzbar, wenn sie noch nicht reif sind für Bankkredite – nicht „bankable“, wie es die Verbandsvertreter formulieren. Dieses Problem teilen sie mit etablierten Unternehmen, die ebenfalls aktuell offenbar trotz öffentlicher Bürgschaftszusagen in manchen Fällen von Banken kein Geld bekommen.

Zusammenarbeit mit der Politik

Mit seinen Argumenten findet der Verband zwar in der Politik offene Ohren. Die Zusammenarbeit mit dem Start-up-Beauftragten der Bundesregierung, Thomas Jarzombek, sei intensiv gewesen, so Verbandspräsident Christian Miele. Jarzombek war bei der Online-Pressekonferenz zur Vorstellung der Studie zugeschaltet und wies auf die bisherigen Maßnahmenpakete des Bundes in der Corona-Krise hin. Zugeständnis an die Startup-Szene sei, dass bei den Größenkriterien für Unternehmen zusätzlich zu Umsatz, Mitarbeiterzahl oder Bilanzsumme auch die Marktkapitalisierung berücksichtigt werde. Bei den Soforthilfen, so Jarzombek, sei auch noch nicht das Ende der Fahnenstange erreicht.

Wie schnell junge Unternehmen in der aktuellen Situation auf Hilfe angewiesen sein können, machte der Verband am Beispiel der Stuttgarter Spoontainable UG deutlich. Die Gründerinnen des mehrfach ausgezeichneten Unternehmens für nachhaltiges Besteck, Amelie Vermeer und Julia Piechotta, konnten nach eigenen Worten die sofortige Insolvenz abwenden und haben durch Zugeständnisse ihrer Produzenten etwas Luft, sind aber die aktuellen Soforthilfen angewiesen.

Angesichts der Umfrageergebnisse befürchtet Verbandspräsident Christian Miele ein Desaster und ein massives Sterben junger Unternehmen. Es gehe jetzt darum, staatliche Liquiditätshilfen zu entwickeln, die auch für Start-ups – egal in welcher Stage und welcher Größe – greifen. Dazu hat der Verband einen „4-Stufen-Plan“ entworfen, der als Schutzschirm Neugründungen und junge Unternehmen dienen soll.

 

Die IHK Hannover hat auf ihrer Website Information zu den verschiedenen Themen rund um die Corona-Krise gebündelt.

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