Viele Unternehmen suchen bereits auch außerhalb Deutschlands nach geeigneten Auszubildenden. Das Goethe-Institut in Namibia bringt Ende April bei einer hybriden Ausbildungsmesse junge Menschen aus dem Land im Südwesten Afrikas mit deutschen Unternehmen zusammen. Wir haben die wichtigsten Fragen und Antworten zu der Initiative zusammengestellt.

Den Anstoß gaben zwei Unternehmer aus Deutschland, die im Sommer letzten Jahres spontan das Goethe-Institut in Windhoek besuchten. „Die waren im Urlaub in Namibia und fragten uns, ob wir ihnen bei der Suche nach Fachkräften helfen können“, erinnert sich Matthias Mühr. „Wir haben das konkrete Gesuch einmal an unser Lehrer-Netzwerk weitergeleitet und sind auf großes Interesse von jungen Menschen gestoßen“, erklärt der Verwaltungschef des Goethe-Instituts, das Kontakte zu allen Schulen im Land unterhält, an denen Deutsch als Fremdsprache unterrichtet wird. Ein Unternehmen  aus Süddeutschland habe so tatsächlich einen junger Namibier gefunden, der nun eine Ausbildung zum Elektriker absolviert. Nach dieser positiven Erfahrung entstand die Idee, das Ganze einmal größer aufzuziehen und deutsche Unternehmen mit an einer Ausbildung interessierten Schulabsolventen aus Namibia  zusammenzubringen. Das Goethe-Institut übernimmt dabei die Sprachbildung: Die jungen Menschen, die bereits Deutsch in der Schule hatten, vertiefen ab Herbst dieses Jahres ihre Kenntnisse, sodass sie bis zum Sommer 2024 das B2-Niveau erreichen. Sie sollten sich dann spontan und fließend verständigen und auch komplexere Texte verstehen können. Am 21. und 22. April organisiert das Goethe-Institut nun eine Ausbildungsmesse, bei der sich Unternehmen mit ihren Ausbildungsplätzen den zukünftigen  Schulabgängern präsentieren können. Eine Teilnahme ist für Unternehmen sowohl digital als auch in Präsenz kostenlos möglich. „Auch digital wird es ein Zeitfenster geben, in dem sich die Firmen vorstellen und Fragen der Interessierten beantworten können“, erklärt Matthias Mühr, der bewusst keine Deadline für eine Anmeldung nennt. „Wir versuchen alles möglich zu machen.“

Was sind das für Jugendliche, die sich für eine Ausbildung in Deutschland interessieren?
Die jungen Leute bringen alle einen abgeschlossenen Schulabschluss mit, der in etwa mit dem deutschen Realschulabschluss vergleichbar ist. Mitmachen kann nur, wer bereits 18 Jahre alt ist. In Namibia herrscht eine sehr hohe Jugendarbeitslosigkeit, teilweise aufgrund fehlender Möglichkeiten für junge Menschen, eine Berufsausbildung außerhalb einer akademischen Laufbahn zu beginnen. Das Konzept der dualen Berufsausbildung ist in Namibia kaum bekannt.

Wie groß ist das Interesse der  Jugendlichen?
„Nach unserer ersten Anfrage waren wir überrascht über den großen Zuspruch“, sagt Mühr. Möglicherweise hat es auch etwas damit zu tun, dass Deutschland bei den jungen Namibiern einen guten Ruf genießt. „Das Interesse an Deutsch als Fremdsprache ist in den letzten Jahren deutlich gestiegen.“ Zudem gebe es bei vielen den Wunsch, einmal in ihrem Leben nach Deutschland zu fahren. Wann könnte die Ausbildung starten? Wenn ein Ausbildungsbetrieb erfolgreich das Interesse eines jungen Menschen geweckt hat, besucht dieser zunächst den Deutsch-Kurs am Goethe-Institut in Windhoek. Die Ausbildung in Deutschland könnte dann im August 2024 starten.

Dürfen die Namibier denn einfach eine Ausbildung in Deutschland machen?
Aktuell müssen Unternehmen tatsächlich noch prüfen, ob nicht ein Bewerber oder eine Bewerberin aus Deutschland für einen Ausbildungsplatz zur Verfügung steht. Mit der Novelle des Einwanderungsgesetzes soll diese Vorrangprüfung aber voraussichtlich noch in diesem Jahr abgeschafft werden. Das Visa für die Einreise können die Namibier bei der Deutschen Botschaft in Windhoek beantragen. Eine wesentliche Voraussetzung für die Visaerteilung sind die guten deutschen Sprachkenntnisse auf B2-Niveau. Das Goethe-Institut arbeitet eng mit der Deutschen Botschaft zusammen, die übrigens auch an der Ausbildungsmesse teilnimmt. „Wenn ein Arbeitsvertrag vorliegt und das B2-Niveau erreicht wurde, steht der Visaerteilung nichts im Wege“, sagt Matthias Mühr. Probleme gebe es ihm zufolge meist nur, wenn Unterlagen fehlten.

Was ist mit den Kosten?
Abgesehen von möglichen Reisekosten sind die Kosten für den Deutschkurs zu tragen. Das Goethe-Institut empfiehlt, an diesen auch die Familien der  Jugendlichen zu beteiligen.

Gibt es bereits Erfahrungen mit ähnlichen Projekten?
Das Goethe-Institut arbeitet seit einigen Jahren mit einer Agentur zusammen, die namibische Jugendliche in Ausbildungen  im Krankenhaus- und Pflegebereich in Deutschland vermittelt. Laut den Erkenntnissen von Matthias Mühr ist das Projekt sehr erfolgreich: „Nach der dreijährigen Ausbildung wollten 96 Prozent der Fachkräfte nach ihrem Abschluss in Deutschland bleiben.“

Was müssen Unternehmen außerdem beachten?
Die jungen Menschen brauchen auch in Deutschland eine intensive Betreuung, abseits des Alltags im Unternehmen. Vom Bankkonto bis zum Behördengang oder auch bei der Suche nach Lebensmitteln aus der Heimat bedarf es oft Unterstützung. Das deutsche Essen sei tatsächlich oft eine Hürde. Allerdings kann Andreas Konietschke vom namibischen Honorarkonsulat in dieser Hinsicht auch beruhigen: „Viele der Produkte aus Namibia wie etwa Maisbrei oder Würzmischungen bekommt man auch in Deutschland. Und in Hannover sitzt beispielsweise der größte Importeur von Biltong“. Das ist getrocknetes Rindfleisch, das sich in dem Land großer Beliebtheit erfreut.

Wo kann ich mich anmelden?
Beim Goethe-Institut in Namibia,
Ansprechpartnerin ist Xenia Viljoen,
die am besten per E-Mail zu erreichen ist:
intern3.windhoek@goethe.de

Für Rückfragen zum Projekt können Sie sich auch telefonisch an
Matthias Mühr wenden: Tel. 00264 61 225 700

Bei allen Fragen zu Namibia hilft das Honorarkonsulat Namibias in Hannover
weiter:
Andreas Konietschke, info@namibia-hannover.de

IHK-Ansprechpartner für das Thema
Fachkräfte aus dem Ausland ist
Arne Hirschner: arne.hirschner@hannover.ihk.de

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