Von Georg Thomas und Klaus Pohlmann
So viele Zufälle auf einer Bühne: Die drei Start-Ups, die sich beim IHK-Jahresempfang in Hildesheim den rund 250 Besuchern vorstellten, haben allen mit Textilien zu tun. Es ist also Stoff, aus dem die Gründungen sind. Einige der Gründerinnen und Gründer kommen aus dem gleichen Ort – und produzieren ihre nachhaltige Kleidung zum Teil mit gleichen Fasen und in den gleichen Fabriken. Und alle verbreiteten gleichermaßen Mut und Optimismus.

Aber vor allem strahlten die jungen Unternehmerinnen und Unternehmer im Gespräch mit IHK-Hauptgeschäftsführerin Maike Bielfeldt eines aus: Gründergeist. „Es waren nicht die bürokratischen Hürden, die es schwer machen“, sagte Christopher Franke, der zusammen mit der Textilingenieurin Anna Rippel ein Filtertuch zur Mikroplastik-Filtration und Phospor-Reduktion entwickelt hat, das in Kläranlagen zum Einsatz kommen kann. Drei Zettel ausfüllen und einen Notar aufsuchen, das sei zu schaffen, sagte Franke. Seine Mistreiterin, die Textilingenieurin Anna Rippel, war vor einigen Jahren auf ein Produkt zur Mikro-Filtration gestoßen, bei dem sie und Christopher Franke Verbesserungspotenzial sahen. Die Nachfrage nach ihrem Produkt sei international gegeben, so lieferten sie auch an Kunden in Australien. Hergestellt wird ihr Filtertuch in Deutschland.

Nicht nur das Gründen fühlt sich gut an

„Einfach machen“, empfahl Sebastian Reetze, dessen paxariño UG nachhaltige Golfbekleidung herstellt. Der Jungunternehmer setzt für seine Produkte auf die Cellulosefaser Tencel, die funktionale Eigenschaften mit einem hohen Tragekomfort verbindet. „Fühlt sich wirklich sehr gut an“, attestierte auch IHK-Hauptgeschäftsführerin Maike Bielfeldt. Reetze, der unter anderem in den USA mit einem College-Stipendium nicht nur studiert, sondern auch hochklassig Golf gespielt hat, beschrieb sein Gründungsvorhaben auch durchaus mit lockeren Sprüchen: Er sei mit der Golfkleidung, die er so lange getragen habe, einfach nicht einverstanden gewesen: „Warum in einer Plastiktüte Golf spielen“, habe er sich gefragt und nach einer komfortablen Alternative gesucht – und sie in der Tencel-Faser gefunden, die üblicherweise für Bettwäsche verwendet wird.

Parallele Wege

Damit ist er auf die gleiche Lösung gekommen wie Antonia Sensen, die dritte Gründerin auf der Bühne. Und mit ihr verbindet ihn nicht nur das Aufwachsen im gleichen Ort im Hildesheimer Umland – die Gründerin der cohoodio GmbH lässt ihre nachhaltige Firmenbekleidung  im gleichen Ort in Portugal herstellen, in dem auch die Golfbekleidung hergestellt wird.

Sensen hat an der Hildesheimer Universität angewandte Informatik studiert. Und bereits während ihres Studiums ein erstes Unternehmen gegründet. Das soll aber auch noch nicht ihr letztes sein, erklärte sie vor den rund 200 Gästen des IHK-Jahresempfangs. Sie sei auf den Geschmack gekommen, was Gründung angeht.

Das Ziel: Mittelfristig Marktführer sein

Aber warum Firmenbekleidung? „Ich wollte gern nachhaltige Kleidung, die sehr hochwertig ist, für Unternehmen herstellen“, sagt sie und das Interesse ihrer Kunden nach dem Start im Herbst vergangenen Jahres sei größer als gedacht. Sie habe jetzt bereits Auftäge über „um die 3000 Stück“. Ihre Kunden nutzten ihre Kleidung auch, um die Identifikation ihrer Mitarbeitenden mit dem eigenen Unternehmen durch hochwertige Kleidung zu stärken.

Die Ziele für die nächsten Jahren haben die drei Unternehmen gesteckt. „Ich will in fünf Jahren Marktführer auf dem Golfbekleidungsmarkt sein“, sagt Reetze und die anderen auf der Bühne äußern sich ähnlich zielstrebig.

„Endlich mal positive Nachrichten. Endlich mal wieder Mut zum Gründen!“ So, kommentierte IHK-Hauptgeschäftsführerin Maike Bielfeldt den Auftritt der vier, und angesichts vieler aktuell schwieriger Voraussetzungen war Begeisterung zu spüren, dass junge Menschen anpackend diesen Rahmenbedingungen trotzen.

Weitere Bilder und ein Video vom Hildesheimer Jahresempfang finden Sie hier.

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