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Die Sperrung der Bundesstraße 83 zwischen Bodenwerder und Holzminden sorgte zu Pfingsten 2018 für Aufsehen. Selbst die Intervention des Umweltministers konnte letztlich nicht verhindern, dass die Straße für umfangreiche Sicherungsarbeiten länger gesperrt bleiben muss – zum Leid der Unternehmen.
[/vc_column_text][vc_column_text]Am 18. Januar vergangenen Jahres erst hatte Angela Bürger den Betrieb der Q1-Tankstelle in Polle übernommen. Sie konnte nicht ahnen, dass nur fünf Monate später die Bundesstraße 83 bei Steinmühle an der Weser wegen der akuten Gefahr herabfallender Steine gesperrt wird. Aus den zunächst genannten sieben Jahren Sperrung ist inzwischen eine kürzere Sanierungsdauer geworden, gleichzeitig sollte es eine zunächst zugesagte zwischenzeitliche Öffnung der Strecke doch nicht geben.

Der überregionale Verkehr wird nun weiträumig umgeleitet, so dass der Verkehr vor der Tankstelle in Polle spürbar nachgelassen hat. „Wir hangeln uns irgendwie durch“, sagt die 42-jährige Unternehmerin, die auch noch eine Tankstelle in Beverungen betreibt. Der Betrieb in Polle mit fünf Beschäftigten sollte ihr zweites Standbein sein. Nun trägt sich das Geschäft „gerade so“, sagt Bürger, die in ihrem Tankstellen-Shop auch Wurstwaren verkauft. Besonders gut liefen die Mettwürste eines Fleischers aus „40 Kilometer Entfernung“. Sie unterstützt die Initiative „Schnelle Aufhebung der Vollsperrung der B83“, die sich für eine Beschleunigung der Sanierung der Felswände stark gemacht hat und dies sogar in einer Petition zum Ausdruck bringt. Mehr als 5000 Menschen haben sie bereits unterzeichnet. „Wenn es stimmt, dass bereits im Jahr 2011 ein Gutachten die Schäden an den Felswänden festgestellt hat, wieso hat man dann nicht bereits damals reagiert“, fragt sich Angela Bürger, die allerdings auch weiß, dass inzwischen an den Hängen gearbeitet wird. Denn sie hat kürzlich einen an den Arbeiten am Fels beteiligten Fachmann kennengelernt – im Rahmen von Dreharbeiten für eine längere Reportage über die Sperrung, die Ende April bei RTL gezeigt werden soll. Das Team hat die Unternehmerin auch bei einer Fahrt über die Umleitungsstrecke begleitet, die über 13 scharfe Kurven die Ottensteiner Hochebene hinaufführt. Nach der Fahrt hätten die Journalisten gesagt, dass sie nun gut verstehen, warum viele diese enge Strecke über die Landstraße meiden. Es sei keine Freude dort einem Bus oder Lastwagen zu begegnen.

Umwege für Kunden und Mitarbeiter
„Die Straßenränder sind inzwischen völlig kaputt“, sagt auch Marco Müller. Der Geschäftsführer der Müller Treppenbau GmbH aus Polle ist durch die Sperrung in mehrfacher Hinsicht betroffen. Neben dem spürbaren Rückgang an Kunden und den Umwegen, die seine Mitarbeiter täglich fahren müssen, macht sich inzwischen auch der höhere Verschleiß durch die Bergfahrten bei seinen sechs Firmenfahrzeugen bemerkbar. „Die Kosten für die Instandhaltung der Bremsen haben sich verdoppelt“. Noch schwerer wiegt aber für das Unternehmen mit knapp 50 Beschäftigten, dass Aufträge in Hannover so noch schwieriger zu erreichen sind, weil sich der ohnehin lange Weg in die Landeshauptstadt nochmals verlängere. Es fällt Marco Müller schwer zu verstehen, dass das ganze so lange dauert.

Café Steinmühle musste schließen
Am schwersten getroffen hat es wohl Margarete und Heino Büngener, die bis Mai vergangenen Jahres direkt unterhalb des Felshanges ihr Café Steinmühle betrieben. Etwa eine Woche vorher seien sie über die bevorstehende Sperrung und das damit einhergehende Aus für ihren Antiquitätenhandel mit Café informiert worden, berichtet Büngener. Sie konnten nur noch ein paar wertvolle Dinge sichern und mussten schließen. Vor Jahrzehnten hatten sie die „Steinmühle“ gekauft und nach eigenen Angaben allein 124 000 DM für einen Stromanschluss bezahlt, von dem nun ein Abzweig für die Sanierungsarbeiten genutzt werde. Der 76-Jährige und seine ein Jahr jüngere Frau dürfen bei ihrem Eigentum bis auf weiteres nur gelegentlich nach dem rechten sehen. Das Land habe ihm das Objekt abkaufen wollen, aber der Preis sei laut Büngener „nicht akzeptabel“ gewesen. Auch eine Entschädigung gab es nicht. „Ich hätte nie geglaubt, dass so etwas in Deutschland möglich ist“, sagt der Unternehmer. Allerdings: Die Straßenbaubehörde steht mit ihm wegen einer Entschädigung im Austausch.[/vc_column_text][vc_separator][vc_column_text]Wann die Straße wieder freigegeben wird
sagt Markus Brockmann, Geschäftsbereichsleiter bei der Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr, inzwischen nicht mehr. Weil er nicht garantieren kann, dass nicht eine Klage das Verfahren verzögert. Er versichert aber, dass seine MItarbeiter alles tun, um die Straße so schnell wie möglich wieder freizugeben. 2011 sah die Lage noch nicht so dramatisch aus. Erst durch 3D-Scans des 260 000 Quadratmeter großen Hangs wurde im Jahr 2018 das enorme Gefahrenpotenzial deutlich. Die Behörde informiert auf einer Internetseite regelmäßig und ausführlich über die Arbeiten die gerade am Hang ausgeführt werden (Link siehe nw-ihk.de). „Wir arbeiten in einem FFH-Gebiet, in dem wir zum Schutz bedrohter Pflanzen und Tiere nur mit Samthandschuhen arbeiten dürfen“, erklärt Brockmann. „Es ist leider nicht so einfach, wie sich das viele Leute vorstellen.“

Aktuelle Informationen der Niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr zur Bundesstraße 83 – mit monatlich aktualisierten Berichten.[/vc_column_text][vc_column_text]Lesen Sie hier mehr zu unserem Titelthema:

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