Fotos: Clemens Heidrich
Mut und Rückgrat, aber auch Offenheit gegenüber Neuem. Und gute Ideen: Das braucht es, damit die Unternehmen in den Wirtschaftsräumen Hildesheim und Holzminden ein zukunftsfähiges Umfeld bekommen. Und darum ging es beim Jahresempfang der IHK Hannover in Hildesheim.
 

Wenn schon ein gesellschaftlicher Kraftakt gefordert wird, zeigt allein das, wie drängend ein Problem ist. Und genau das, eine gemeinsame Anstrengung, ist aus Sicht von Karsten Krüger notwendig, um die Bürokratie in den Griff zu bekommen. Krüger sagte das bei seiner Premiere als IHK-Vizepräsident vor rund 250 Gästen beim Jahresempfang der IHK Hannover in Hildesheim. Ein Kulturwandel sei nötig, und das nicht zuletzt in den Behörden vor Ort: Gestaltungsspielräume für die dort Arbeitenden und Rückgrat in den Führungsetagen, um Entscheidungen auch durchzufechten, machte Krüger deutlich. „Nur das immer und immer wieder in Sonntagsreden geäußerte Bekenntnis, Bürokratie abbauen zu wollen, wird nicht reichen, um unsere Wirtschaft wieder in Schwung zu bringe“, so der IHK-Vizepräsident. Und aus seinen Worten sprach auch ein gerütteltes Maß an Frust eines mittelständischen Unternehmers angesichts noch steigender Bürokratielasten, trotz aller Lippenbekenntnisse: „Bürokratieabbau hat bisher parteiübergreifend noch jeder versprochen. Die traurige Realität der Umsetzung kennen wir.“

Was vor Ort notwendig ist

Premiere: IHK-Vizepräsident Karsten Krüger spricht erstmals für die regionale Wirtschaft.

Neue Antworten: Die sucht Karsten Krüger auch vor Ort. Was er an Beispielen mitbrachte, steht für viele Aufgaben, vor denen Städte und Gemeinden stehen. Und das nicht nur in den Wirtschaftsräumen Hildesheim und Holzminden, für die Krüger als IHK-Vizepräsident zuständig ist. „Ein Thema, das uns in Hildesheim umtreibt, ist die Entwicklung der Innenstadt. Und direkt damit zusammen hängt natürlich auch die Frage der Mobilität“, so Krüger. Und auch hier forderte er Mut zur Gestaltung: „Ich hoffe, dass wir kreative und individuelle Ideen finden, um unsere Innenstadt unverwechselbar, wettbewerbsfähig und lebenswert zu gestalten. Das Alte und Bekannte nur unverändert erhalten, wird nicht funktionieren.“ Neues in die City holen, das regte er an: Start-Ups oder Handwerk, Geschäfte, die bisher woanders angesiedelt waren. Und er wünschte sich Offenheit, nicht nur gegenüber Plänen für die Zukunft des Galeria-Gebäudes, sondern auch bei der Diskussion um den Verkehr: „Man hat den Eindruck, dass sich das Thema Mobilität langsam zu einem Kulturkampf entwickelt – Auto oder Fahrrad?“ Grundsätzlich aber gilt, das machte er deutlich: „Natürlich muss ein Zentrum erreichbar sein.“ Und dass Mobilität ebenso klimafreundlich und emissionsarm sein muss wie gleichzeitig individuell, steht für Krüger außer Frage. Kein Schwarz-weiß-denken also, sondern die Suche nach der jeweils besten Lösung müsse der Weg sein: „Als IHK und als Wirtschaft stehen wir für die Suche nach der Ausgestaltung ausgewogener Mobilitätskonzepte immer bereit.“

Die ländlichen Räume zukunftsfähig machen

Auch als neuer Vizepräsident nahm Karsten Krüger ein altes Thema auf, das gerade Holzminden seit langem betrifft: Beim IHK-Jahresempfang forderte er, zügig das bereits geplante Begegnungsgleis für die Bahnanbindung des Landkreises Holzminden zu bauen. Der sei zur Zeit nur mit einer eingleisigen Bahnstrecke mit einer Taktzeit von zwei Stunden an die Nord-Süd Achse angeschlossen. Aber auch eine Ertüchtigung der Straßen mit gutem Anschluss an das überregionale Fernstraßennetz ist für die Zukunft der Region unabdingbar. Und es ist nicht nur die Verkehrsinfrastruktur: Krüger setzte sich angesichts des Krankenhaus-Konkurses in Holzminden und eines verringerten Angebots in Alfeld für den Ausbau des Medizinischen Versorgungszentrums in Holzminden aus. Die könne aber nur mit finanzieller Unterstützung von Bund und Land gelingen.

Gastgeberin und Präsident: Professorin May-Britt Kallenrode begrüßte als Uni-Präsidentin die Gäste in der neuen Mensa gemeinsam mit IHK-Präsident Gerhard Oppermann.

Grundsätzlich forderte Krüger wettbewerbsfähige Rahmenbedingungen – was natürlich nicht nur die Unternehmen in der Region betrifft. Insofern nahm Krüger die Linie von IHK-Präsident Gerhard Oppermann auf. Die Liste der Aufgaben, die er in seine Heimatstadt mitbrachte, hat sich gegenüber dem Jahresbeginn noch kaum geändert. Im Schnelldurchlauf:

  • Schneller werden, beim Planen und Genehmigen: Oppermann sprach von Trägheit, die den Standort in verschiedener Hinsicht ausbremst.
  • Energieangebote ausbauen – und die Stromsteuer senken
  • Fachkräfteeinwanderung vereinfachen – denn ohne qualifiziete Zuwanderung aus dem Ausland wird es nicht gehen, so Oppermann.
  • Eine Steuerreform muss her – und zwar, so der IHK-Präsident, eine Reform, die ihren Namen verdient und wettbewerbsfähig ist.
  • Oppermann forderte eine umfassende Wertschätzung beruflicher Bildung.
  • Erforderlich ist nach seinen Worten ein starkes Europa mit mehr Freihandelsabkommen in aller Welt – aber weniger EU-Bürokratielast.
  • Und die Infrastruktur – Energie, Straße, Bahn, Daten – müsse fit für die Zukunft gemacht werden.

Vor allem ließ es sich Oppermann aber nicht nehmen, angesichts der 75-Jahr-Feiern des Grundgesetzes ein deutliches Bekenntnis für dieses Fundament der Bundesrepublik  abzulegen – als Grundlage für Freiheit, Sicherheit und unternehmerische Betätigung.

Neben der bundesdeutschen Gründerzeit wehte aber auch noch ganz aktuell Gründergeist durch die Uni-Mensa: IHK-Hauptgeschäftsführerin Maike Bielfeldt im Gespräch mit Gründerinnen und Gründern (Bild unten). Weitere Bilder und ein Video vom Hildesheimer Jahresempfang finden Sie hier.

Jetzt Artikel teilen!