Die Lage auf dem Ausbildungsmarkt in Niedersachsen hat sich im vergangenen Jahr weiter zugespitzt: Fast jedes zweite niedersächsische Unternehmen – gut 44 Prozent – konnte 2022 nicht alle angebotenen Ausbildungsplätze besetzen. Das zeigt eine jetzt veröffentlichte Umfrage der IHK Niedersachsen (IHKN). Und das, obwohl die Unternehmen sehr engagiert um Nachwuchs werben, wie die IHKN betont.

+++ Aktualisiert am 6. September 2023 +++ IHKN-Fokus Niedersachsen veröffentlicht

Noch dramatischer scheinen diese Zahlen: Nahezu 70 Prozent der Unternehmen erhielt keine geeigneten Bewerbungen. Und bei über 36 Prozent ging keine einzige ein. Das sind rund sechs Prozentpunkte mehr als 2019. An der IHK-Umfrage haben sich mehr als 1000 Ausbildungsunternehmen aus Niedersachsen beteiligt.

Mehr Berufsorientierung erforderlich

„Die Zahlen machen einerseits deutlich, dass Bewerbungen von Schülerinnen und Schüler auch zum Ausbildungsstart 2023 weiterhin aussichtsreich sind. Andererseits untermauern die Umfrageergebnisse, dass die Unternehmen gezielte Unterstützung brauchen, um mehr junge Menschen für eine berufliche Ausbildung zu begeistern“, so Maike Bielfeldt, Hauptgeschäftsführerin der IHKN. „Wichtige Maßnahmen wären mehr Praktika und eine insgesamt bessere Berufsorientierung von Schülerinnen und Schülern, die wir endlich auch flächendeckend an den Gymnasien brauchen.“ Denn was vielen nicht bewusst sei: Mit einer Ausbildung und einer anschließenden Weiterbildung – die Abschlüsse lauten dann Meister/-in, Fach- oder Betriebswirt/-in oder Techniker/-in – erreicht man einen Abschluss auf Bachelor- oder Masterniveau.

Zukunftsorientierter Karriereweg

„Jungen Menschen muss klar sein, dass sie sich mit einer beruflichen Ausbildung für einen zukunftsorientierten Karriereweg entscheiden, der – verbunden mit einer entsprechenden Weiterbildung – einem akademischen Abschluss in nichts nachsteht und am Arbeitsmarkt sehr nachgefragt wird“, betont Bielfeldt. „Die Politik ist jetzt gefordert, diese Bildungsperspektiven auch zukünftig über die Weiterbildungsprämie zu unterstützen.“ Hintergrund: Noch bis Ende Oktober fördert das Land Niedersachsen erfolgreiche Absolventen der Industrie- oder Fachmeisterprüfungen mit 1000 Euro. Die IHKN setzt sich dafür ein, diese Weiterbildungsprämie mindestens in gleicher Höhe beizubehalten.

Chancen unabhängig vom Schulergebnis

Die IHKN-Ausbildungsumfrage zeigt auch, dass die Unternehmen sich sehr engagieren, um frühzeitig mit potenziellen Auszubildenden in Kontakt zu kommen. Rund zwei Drittel der Betriebe veranstalten einen Tag der offenen Tür, haben ihre Praktikumsangebote erhöht oder beteiligen sich an Ausbildungsmessen und dem bundesweiten Zukunftstag. Darüber hinaus versuchen mehr als 80 Prozent der Unternehmen, leistungsschwächere Schulabgänger und -abgängerinnen zu integrieren, wenn die persönliche Basis stimmt. Ein Ansatz, den auch IHKN-Hauptgeschäftsführerin Bielfeldt für richtig hält: „Es geht im Wettbewerb um Auszubildende längst nicht mehr darum, sich um die Notenbesten zu rangeln, sondern so viele junge Menschen wie möglich für die Berufsausbildung zu begeistern. Hier leisten die Unternehmen vielfach schon Unterstützung weit über das übliche Maß hinaus, um junge Menschen zum erfolgreichen Abschluss zu führen.“

IHK Hannover: Mehr Ausbildungsverträge als im Vorjahr

Zurzeit läuft der Start ins Ausbildungsjahr: Zum 1. August haben in vielen Unternehmen die neuen Auszubildenden angefangen, am 1. September folgen weitere. Die IHK Hannover zählte Anfang dieses Monats fast 12 Prozent mehr Verträge als noch 2022. Damit nähern sich die Zahlen dem Niveau vor Corona an. Anfang August 2019 wurden 8644 Ausbildungsverträge registriert.

Hier geht es zum aktuellen Fokus Niedersachsen der IHKN mit den umfassenden Ergebnissen der Aubildungsumfrage.

www.ihk-n.de

 

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